Freitag, 15. August 2014

Die (lange) Geschichte meiner Brustverkleinerung

Hallo zusammen,

heute mal ein ernsthaftes Thema, aber wie meine Kollegin gesagt hat: es gehört zu mir.


Die ganze Geschichte fing an, als ich 16 war. Eigentlich schon ein bisschen früher, aber mit 16 habe ich gemerkt, dass meine Körbchengröße F meinem Körper nicht gut tut. Natürlich war auch das Klamottenkaufen anstrengend, wenn alles obenrum zu eng und untenrum zu weit ist, aber ganz ehrlich, selbst als Teenie war das nicht mein größtes Problem. Das Hauptproblem ist das Gewicht, das der Rücken Tag für Tag tragen musste. Ich kannte jahrelang nichts anderes als verspannte Schultern, Rückenschmerzen, verkürzte Nackenmuskulatur und auch meine Nackenwirbel waren bereits verformt. An Sport war kaum zu denken, denn kein Sport-BH war stark genug, meine Brüste auch bei Belastung ausreichend zu stützen, und es tut unheimlich weh, wenn dieses Gewicht bei jedem ausholenderem Schritt, jedem Sprung, an der Haut zerrt. Und, was vielleicht ein bisschen seltsam klingt, sie waren auch immer im Weg.

Soviel zur Jammerei über den Ausgangszustand, ich wusste, es muss was passieren und habe mich erstmal online über die Möglichkeiten informiert. Mit der großartigen Unterstützung meiner Mama bin ich dann von Arzt zu Arzt getingelt, Attest über Attest (Chirurg, Orthopäde...) besorgt und das ganze bei der Krankenkasse eingereicht. Diese wollte sich nicht auf Atteste allein verlassen und hat für mich einen Termin beim medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) vereinbart, wo ich von einer "unabhängigen" (von der KK bezahlten) Ärztin (Urologin!!!) befragt und untersucht werden sollte. Über deren äußerst fragwürdige Methoden möchte ich mich jetzt nicht auslassen, nur zu ihrem Ergebnis. In ihrem Gutachten hat sie Aussagen von mir verdreht, gesagt, ich sollte nur abnehmen, dann wird das auch schon (ich war damals im unteren Bereich vom Normalgewicht nach BMI), und dass es sich um eine rein kosmetische Indikation handle.

Tja, ich war natürlich am Boden zerstört, denn so eine Brustverkleinerung kostet um die 5000€, und dieses Geld hatten weder ich noch meine Eltern. Wir haben mit einem weiteren Attest Widerspruch eingelegt, doch dieser wurde wieder abgelehnt. So waren alle meine Hoffnungen zerstört, bis mein Opa sich bereit erklärt hat, mit die OP zu zahlen. Ich muss sagen, so glücklich war ich selten in meinem Leben.

Dann ging es los: einen Termin in der Klinik habe ich relativ schnell bekommen, ich glaube schon nach 3 Wochen. Natürlich war ich tierisch aufgeregt. Am Nachmittag vor der eigentlichen Operation musste ich dann schon ins Krankenhaus (wer es genauer wissen will, Marienhospital Stuttgart), dort hatte ich noch einen Termin mit dem Anästhesisten , um die Narkose zu besprechen (Vollnarkose ist nie harmlos) und noch diverse Einweisungen, alles kann ich jetzt nach fast 9 Jahren nicht mehr so genau rekonstruieren. Die OP war dann morgens am Nikolaustag, darüber kann ich nicht wirklich was erzählen, da ich ja unter Vollnarkose stand (außer, dass der Anästhesist witzig war). auch vom restlichen Tag habe ich nicht besonders viel mitbekommen, ich bin immer wieder eingedöst. Das einzige, was mir wichtig war "Mama, Piercing...", das musste ich nämlich vor der OP rausnehmen, und sie hat es mir dann wieder reingemacht, damit das Loch nicht zuwächst :) am nächsten Morgen wurde ich dann schon wieder entlassen, es ging mir auch erstaunlich gut, nur ein bisschen matschig in der Birne, aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich wirkliche Schmerzen. Zwei Tage später hatte ich auch schon zwei Vorstellungsgespräche, war sehr anstrengend, aber machbar.

Ich will natürlich auch die Nachteile nicht verschweigen. Wie gesagt, bei jeder OP, vor allem unter Vollnarkose, besteht ein Risiko, dass irgendetwas schiefgeht. Was auch noch sein kann ist, dass man danach nicht stillen kann. Ich habe viele widersprüchliche Quellen zur Wahrscheinlichkeit gefunden. Bei mir selbst ist auch eine kleine Komplikation aufgetreten, einig paar Tage nach dem Fäden Ziehen hat sich eine Naht geöffnet. Das ist aber nicht weiter schlimm, auch das ist ohne weiteres verheilt, die Narbe ist jetzt etwas größer, aber das sieht man auch nur, wenn man es weiß und ich oben ohne bin. Aber ich habe auch zu keinem Zeitpunkt eine Karriere als Aktmodel angestrebt :)

Damals war ich 18, die OP ist jetzt fast 9 Jahre her, und ich habe diesen Schritt bisher keine Sekunde bereut (ich war deswegen sogar schon im Fernsehen :D). Ich kann mich viel besser bewegen, habe nur noch selten Verspannungen oder Rückenschmerzen, und jeder, der mich nach der OP gesehen hat, hat gesagt "Du gehst jetzt viel aufrechter". Ich bin unglaublich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe, allerdings habe ich im Nachhinein erfahren, dass die AOK (und einige andere Krankenkassen) mir die Brustverkleinerung ohne Wenn und Aber gezahlt hätten.

Ich habe leider keine Vorher-Nachher-Bilder gemacht, aber ich habe zwei Fotos gefunden, auf denen man es ganz gut sieht. Nach der OP hatte ich C-Körbchen.

Vorher

Nachher

 Man sieht sich!

Kommentare:

  1. Das ist ja dreist mit der Ärztin...es ist ja nun wirklich kein Geheimnis, was für körperliche und psychische Belastungen durch so etwas entstehen....einen tollen Opa hast du :)

    Eine Freundin von mir hat sich auch mit 18 von damals G auf C verkleinern lassen, sie war nie glücklicher. Bei ihr war der Kampf mit der Krankenkasse auch eine einzige Tortur...das ganze zog sich Monate lang und zehrte extemst an ihren Kräften. Letztlich wurde ihr die OP zum Glück dann aber doch noch bezahlt, Ich glaube bei so etwas kommt es wirklich stark auf die jew. Gutachter an :/

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    1. Den habe ich leider nicht mehr, aber so lange ich ihn hatte, war er wirklich toll <3

      Ich denke, das kommt nicht nur auf den Gutachter, sondern auch auf die Krankenkasse an. Ich kenne jemanden, der bei der AOK arbeitet, und der hat gesagt, wenn der Chirurg mehr als 500 g pro Seite ins Attest schreibt, dann kriegt man es auch gleich ohne MDK genehmigt. So habe ich es auch aus Erfahrungsberichten im Internet gelesen. Heute würde ich da sicherlich die KK wechseln, aber mit 16 war das natülich was ganz anderes.

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  2. Huhuuu,
    jaja, der MDK...
    Ich hatte auch eine Untersuchung damals (war ne psychologische Sache, Burn out und Depressionen)...ich bin an nen Orthopäden geraten, der sich mehr für meine vergangenen Hüftop`s interessiert hat als für meine bestehenden Probleme...klar, damit kannte er sich auch aus, das war aber nicht das primäre Problem...
    Super, dass es Dir jetzt gut geht!

    Viele Grüße

    *lila*

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  3. Ich finde es echt mutig und super toll, dass du hier von deinen Erfahrungen mit einer Verkleinerung schreibst.
    Unfassbar, dass deine Anträge abgelehnt wurden. Das ist ja schon sehr sehr viel Brust, die du da hattest.
    Alles Gute :)

    DieLouni

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    1. Danke, es war mir ein inneres Bedürfnis, nur war ich mir erst nicht so sicher, ob es hier reinpasst. Aber meine Lieblingskollegin hat mich überzeugt :)

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  4. Ich bin immer wieder schockiert wie dreist manche Krankenkassen/Ärzte doch sind. Was soll das denn? Für so etwas ist man doch versichert! Eine Unverschämtheit wirklich..
    Ich habe eine Freundin mit ähnlichem Problem, früher hat die Krankenkasse immer gesagt: Unter 18 keine OP. Jetzt sagen sie ähnliches wie bei dir..
    Ich finde es toll und mutig, dass du darüber schreibst - geschrieben hast - und das Thema ist auch sehr interessant.

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